was sind heinrich ereignisse
Heinrich-Ereignisse sind abrupte Kältephasen während der letzten Eiszeiten, die mit gewaltigen Flotten von Eisbergen verbunden waren, die von nordamerikanischen Eisschilden in den Nordatlantik gelangten. Sie gelten als wichtige Klimasignale , weil sie das Ozean-Klima-System für einige Jahrhunderte stark durcheinanderbringen konnten.
Grundidee in einfachen Worten
- Von riesigen Inlandeisschilden in Nordamerika brechen in bestimmten Phasen massenhaft Eisberge ab und driften in den Nordatlantik.
- Diese Eisberge transportieren Gestein und Sedimente vom Kontinent und lassen diese beim Schmelzen auf dem Meeresboden zurück.
- Gleichzeitig gelangt enorme Mengen Süßwasser ins Meer, was Meeresströmungen und damit das Klima stark beeinflussen kann.
Was genau ist ein Heinrich-Ereignis?
- Streng definiert ist ein Heinrich-Ereignis die Klimasituation, die eine charakteristische Schicht aus „ice-rafted debris“ (IRD) in Sedimentkernen des Nordatlantiks verursacht, also grobe Gesteinsbruchstücke, die eindeutig von Eisbergen stammen.
- Typischerweise sieht man in Sedimentbohrkernen Schichten mit ungewöhnlich vielen groben Gesteinsbrocken kontinentalen Ursprungs, die sich deutlich von der „normalen“ Hintergrundsedimentation abheben.
Wann traten Heinrich-Ereignisse auf?
- Im Nordatlantik wurden mindestens sechs bis zehn solcher Ereignisse während der letzten großen Vereisungsphasen identifiziert, meist nummeriert H1 bis H6 (teilweise bis H10).
- Sie fallen in den Zeitraum der letzten Eiszeit des Pleistozäns, grob zwischen etwa 60.000 und 17.000 Jahren vor heute.
Dauer und Dynamik
- Nach paläoklimatischen Maßstäben setzen Heinrich-Ereignisse sehr schnell ein – innerhalb weniger Jahre – und dauern dann ungefähr einige Hundert Jahre, oft um 500–750 Jahre.
- Bei einzelnen Ereignissen (z.B. H4) wurden Süßwassereinträge von mehreren Millionen Kubikkilometern geschätzt, genug, um die Dichte und Zirkulation des Nordatlantiks stark zu verändern.
Wirkung auf Klima und Meereszirkulation
- Das viele Süßwasser kann die atlantische Umwälzzirkulation (AMOC, oft auch „Golfstromsystem“ im weiteren Sinne) abschwächen oder umlenken.
- In Klimarekonstruktionen zeigen sich mit Heinrich-Ereignissen verknüpfte Veränderungen in Temperatur, Niederschlag und Meereis-Ausdehnung, teilweise global nachweisbar.
Zusammenhang mit Dansgaard-Oeschger-Ereignissen
- Heinrich-Ereignisse treten in der Klimageschichte oft in der Nähe sogenannter Dansgaard-Oeschger-Ereignisse auf, das sind rasche Erwärmungssprünge in Grönlandeis-Kernen, die sich etwa alle 1500 Jahre wiederholen.
- Nicht jeder Kälterückfall oder jede DO-Schwankung ist aber ein Heinrich-Ereignis; die Diskussion, welche Schichten wirklich dazuzählen, ist bis heute Teil der Fachdebatte.
Warum heißen sie „Heinrich“-Ereignisse?
- Benannt wurden sie nach dem deutschen Meeresgeologen Hartmut Heinrich, der 1988 erstmals systematisch solche auffälligen Trümmersediment-Schichten im Nordatlantik beschrieb.
- In der englischsprachigen Literatur setzte sich dafür der Begriff „Heinrich events“ bzw. im Deutschen auch „Heinrich-Stadiale“ durch.
Zusammenfassung in einem Satz
Heinrich-Ereignisse sind wiederkehrende, abrupte Episoden während der Eiszeiten, in denen riesige Mengen Eisberge und Süßwasser aus nordamerikanischen Eisschilden in den Nordatlantik strömten, Sedimente ablagerten und das Klima teils global stark beeinflussten.