In Deutschland ist die Luftqualität nicht generell „sehr schlecht“, aber aktuell (vor allem im Winter) kommt es immer wieder zu Episoden mit deutlich erhöhter Feinstaub‑Belastung, die viele Menschen spüren und in Apps sehen. Das hat mit einer Mischung aus Wetterlage, Heizen, Verkehr und „importierter“ Luftverschmutzung zu tun.

Aktueller Anlass: Warum gerade jetzt so schlimm?

Mehrere Berichte aus Winter 2025/26 beschreiben eine typische „Smog‑Wetterlage“ über großen Teilen Deutschlands. Viele Nutzer in Foren wundern sich über plötzlich schlechte Werte in Städten wie Berlin, München oder bundesweit.

Typische Faktoren dieser Episoden:

  • Kalte, klare Wintertage, oft mit Hochdruckwetter und wenig Wind.
  • Mehr Heizbedarf (Öfen, Heizungen, Verkehr auf glatten Straßen).
  • Eine warme Luftschicht „deckelt“ die kältere Luft am Boden – die Schadstoffe bleiben gefangen.

In Apps taucht das dann als „schlecht“ oder „sehr schlecht“ auf, obwohl langfristig die Luft in Deutschland deutlich sauberer ist als noch vor Jahrzehnten.

Physik dahinter: Temperaturinversion – die „Glocke“ über der Stadt

Meteorologen und Umweltbehörden erklären die Situation vor allem mit einer sogenannten Bodeninversion.

  • Normalerweise steigt warme Luft auf, der Wind mischt die Luft und verteilt Abgase nach oben.
  • Bei einer Inversion liegt eine wärmere Luftschicht über einer kälteren Schicht am Boden, wie ein Deckel.
  • Die kalte Luft mit Feinstaub, Stickoxiden etc. bleibt in Bodennähe „eingesperrt“, fast wie „unter einer Glocke“.

Ein Experte beschreibt das Bild: In stabiler, windarmer Winterlage wird die Luft kaum ausgetauscht, kalte Luft bleibt unten und reichert sich mit Schadstoffen an – wie unter einer Glocke. Fällt dann Regen oder frischt der Wind auf, sinken die Werte oft wieder recht schnell.

Hauptquellen: Woher kommt der Feinstaub?

1. Heizen (besonders Holzöfen)

Umweltbehörde und Fachartikel betonen, dass in den letzten Jahren Holzheizungen zu einem der wichtigsten Verursacher von Feinstaub (vor allem PM2,5) geworden sind.

  • In kalten Phasen wird viel mit Holz, Kohle oder alten Öfen geheizt.
  • Holzöfen stoßen sehr viele kleine Partikel aus – deutlich mehr pro kWh als moderne Gas‑ oder Fernwärmeanlagen.
  • In Inversionslagen bleiben diese Partikel in den unteren Luftschichten und sorgen für „dicke Luft“ in Wohngebieten.

Behörden schätzen den Beitrag von Holzheizungen im Jahresmittel inzwischen teilweise ähnlich groß wie den Verkehr, zumindest für bestimmte Feinstaubfraktionen.

2. Straßenverkehr

Auch wenn Abgase moderner Autos sauberer geworden sind, bleibt der Verkehr eine wichtige Quelle:

  • Feinstaub durch Reifen‑ und Bremsabrieb sowie Aufwirbelung von Staub (nicht nur aus dem Auspuff).
  • Stickstoffdioxid (NO₂) aus Verbrennungsmotoren trägt zur schlechten Luftqualität bei, vor allem an stark befahrenen Straßen.

Langfristig sind Emissionen aus dem Verkehr zwar gesunken, aber in Spitzenlagen reicht der verbleibende Ausstoß plus Wetterlage, um Apps „rot“ werden zu lassen.

3. Industrie und Landwirtschaft

  • Industrieanlagen und Kraftwerke stoßen ebenfalls Feinstaub und Vorläufergase aus.
  • Landwirtschaft trägt über Ammoniakemissionen zur Bildung sekundären Feinstaubs bei.

In der Summe ergeben diese Quellen ein Grundrauschen an Luftschadstoffen, das bei ungünstigem Wetter sichtbar wird.

4. „Importierter“ Smog aus dem Ausland

Ein weiterer Punkt: Ein Teil der Luftverschmutzung wird mit der Großwetterlage nach Deutschland „importiert“.

  • Berichtete Beispiele nennen besonders alte Kohlekraftwerke und problematische Heizgewohnheiten in Nachbarländern, etwa in Teilen Polens.
  • Unter bestimmten Windlagen gelangt diese belastete Luft nach Ost‑ und Mitteldeutschland und verschlechtert dort die Messwerte.

In manchen Wintern wird Polen etwa als „Smog‑Hotspot“ beschrieben, dessen Luftschadstoffe bei passendem Wind über Mitteleuropa hängen bleiben.

Warum Apps „so schlecht“ anzeigen – aber Deutschland trotzdem besser

dasteht als viele andere Länder

Viele Menschen wundern sich, warum ihre Luftqualitäts‑App „ungesund“ oder „sehr schlecht“ zeigt, obwohl Deutschland doch Umweltauflagen hat.

Wichtige Punkte:

  • Europäische Luftqualitäts‑Indizes (z.B. der deutsche LQI) sind anders kalibriert als etwa der US‑Index.
  • Dieselbe Partikelkonzentration kann in der EU‑Skala strenger bewertet werden und schneller in den Bereich „schlecht“ rutschen.
  • Nutzer vergleichen die Farbstufen international, ohne die unterschiedlichen Grenzwerte zu kennen.

Langfristige Daten zeigen aber: Die Luftqualität in Deutschland hat sich über Jahrzehnte deutlich verbessert – vor allem seit den 1980er‑Jahren durch Filtertechnik, weniger Schwefeldioxid und strengere Abgasvorschriften. Heutige „Smog‑Tage“ wären historisch oft noch als vergleichsweise moderat gelten, fühlen sich aber für uns, die sauberere Luft gewohnt sind, deutlich belastend an.

Beispielhafte Gegenüberstellung

[6][8][10] [7] [8][5][10][1] [7] [5][8][10][1] [7] [6][8] [10][7]
Aspekt Aktuelle Smog-Episoden in Deutschland Langfristige Entwicklung in Deutschland
Feinstaub (PM2,5/PM10) Teilweise Überschreitungen im Winter, besonders bei Inversion und viel Heizen.Deutlicher Rückgang im Vergleich zu den 1980er/90er Jahren durch Filter, Verkehrspolitik und Industrieauflagen.
Hauptquellen Holzöfen, Verkehr, „importierte“ Emissionen, Industrie, Landwirtschaft.Früher deutlich mehr aus Schwerindustrie und Kohlekraftwerken vor Ort.
Rolle des Wetters Sehr groß: Inversionslagen können aus „mittelmäßig“ plötzlich „schlecht“ machen.Wetter spielte immer eine Rolle, aber hohe Grundbelastung machte früher Smog häufiger.
Gesundheitsrisiko Für empfindliche Gruppen (Vorerkrankte, Asthmatiker) bei Spitzenwerten relevant; Behörden raten dann zu weniger Anstrengung im Freien.Langfristige Risiken insgesamt gesunken, aber Feinstaub bleibt gesundheitlich kritisch.

Politische und energiepolitische Hintergründe

In Diskussionen über die schlechte Luft taucht häufig die Energiepolitik auf, vor allem das Abschalten der Atomkraftwerke und die stärkere Nutzung von Kohle.

Mehrere Diskussionspunkte:

  • Nach dem Ausstieg aus der Kernenergie müssen Lücken bei Dunkelflaute (wenig Wind, wenig Sonne) geschlossen werden – oft durch Kohlekraft.
  • Kohlekraftwerke stoßen neben CO₂ auch Luftschadstoffe aus; moderne Anlagen haben Filter, sind aber nicht emissionsfrei.
  • Kritiker sehen darin eine „Rolle rückwärts“ in Richtung stärkerer Luftverschmutzung, Befürworter verweisen auf den Übergangscharakter und Ausbau der erneuerbaren Energien.

In Foren wird außerdem diskutiert, ob nicht eher heimische Holzöfen und Importe aus osteuropäischen Kohlekraftwerken das Hauptproblem sind, statt deutscher Kraftwerke.

Was kann man selbst tun – und was können Städte tun?

Individuell

Behörden und Fachleute empfehlen bei solchen Episoden einige Vorsichtsmaßnahmen:

  • An Tagen mit „roten“ Werten körperliche Anstrengung im Freien reduzieren, besonders bei Vorerkrankungen.
  • Weniger mit Holz (insbesondere in alten Öfen) heizen, nur trockenes, geeignetes Holz verwenden und Vorschriften beachten.
  • Autofahrten vermeiden, wenn möglich ÖPNV, Fahrrad oder zu Fuß wählen.

Kommunal und politisch

Diskutierte Maßnahmen umfassen:

  • Strengere Auflagen und Austauschprogramme für alte Holzöfen.
  • Ausbau von ÖPNV und Radwegen, geringere Abhängigkeit vom Auto.
  • Schnellere Energiewende hin zu erneuerbaren Quellen, um Kohlekraft weniger zu brauchen.
  • Stadtplanung mit mehr Grünflächen, die Feinstaub binden können.

Kurz gesagt: Die Luftqualität in Deutschland wirkt im Moment so schlecht, weil mehrere Faktoren zusammenkommen – eine ungünstige Winter‑Wetterlage, starke Feinstaubquellen wie Holzöfen und Verkehr, teils „importierte“ Emissionen und relativ strenge Bewertung in den Luftqualitäts‑Indizes.

TL;DR:
Die Luft ist aktuell vor allem wegen Winter‑Inversionswetter, viel Heizen (besonders Holz), Verkehr, Industrie, Landwirtschaft und teilweise importiertem Smog belastet. Langfristig ist die Luft in Deutschland trotzdem deutlich sauberer geworden, aber kurzfristige Peaks fallen durch Apps und strengere Grenzwerte stärker auf.

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