Hunde riechen Menschen (und andere Hunde) im Schritt, weil sie so in kürzester Zeit extrem viele Informationen über ihr Gegenüber sammeln – das ist völlig normales Sozialverhalten und hat nichts mit „Unhöflichkeit“ oder Sexualität im menschlichen Sinn zu tun.

Kurz erklärt

  • Im Schritt befinden sich besondere Schweißdrüsen (apokrine Drüsen), deren Duft für Hunde sehr intensiv und informationsreich ist.
  • Über diese Gerüche „lesen“ Hunde Dinge wie Stimmung, Geschlecht, Hormonstatus und teilweise sogar Gesundheit ihres Gegenübers.
  • Für Hunde ist Schnüffeln die wichtigste Form der Kommunikation – so, wie Menschen sich anschauen und reden.

Was Hunde im Schritt „sehen“

Hunde sind olfaktorische Spezialisten: Ihre Nase ist zigfach empfindlicher als unsere und ihr Gehirn ist stark auf Gerüche ausgerichtet.

  • Apokrine Drüsen im Genitalbereich und unter den Achseln geben komplexe Duftstoffe und Pheromone ab, die sehr individuelle „Duftprofile“ bilden.
  • Aus diesen Düften kann ein Hund u. a. ableiten:
    • Geschlecht und ungefähres Alter.
* Hormonstatus (z. B. Zyklus bei Frauen oder Läufigkeit bei Hündinnen).
* Stress, Angst oder Entspannung.
* Hinweise auf Krankheiten, da manche Krankheiten den Körpergeruch verändern.

Warum gerade „da unten“?

Der Schritt ist für Hunde eine Art „Hotspot“ an Informationen.

  • Dort sitzen viele apokrine Drüsen, die einen stärkeren, charakteristischeren Geruch produzieren als normale Schweißdrüsen.
  • Im Stehen ist der Schritt für viele Hunde genau auf Nasenhöhe und damit am leichtesten zu erreichen.
  • Ähnlich schnüffeln Hunde sich untereinander am Hinterteil, weil dort Analdrüsen und andere Duftdrüsen sitzen, über die sie sich erkennen und „vorstellen“.

Aus Hundesicht entspricht ein kurzer Schnüffler im Schritt in etwa einem ausführlichen Kennenlern-Handschlag – nur eben mit der Nase.

Ist das unhöflich oder problematisch?

Für den Hund ist dieses Verhalten normal, höflich und sozial, auch wenn es Menschen oft peinlich ist.

  • Es bedeutet meist:
    • Interesse und Neugier an einem neuen Menschen.
* Kontrollieren, wer da kommt (Freund, Fremder, aufgeregt, ängstlich?).
  • Problematisch wird es nur, wenn:
    • Menschen sich sehr unwohl fühlen (z. B. Kinder, ältere Menschen).
* Der Hund sehr aufdringlich wird und sich kaum zurückrufen lässt.

Was du dagegen tun kannst

Wenn du nicht möchtest, dass dein Hund im Schritt riecht, kannst du ihm höfliche Alternativen beibringen, ohne sein natürliches Verhalten komplett zu unterdrücken.

  • Trainingstipps:
    1. Ein alternatives Begrüßungsritual üben, z. B. „Sitz“ oder „Schau“ beim Kontakt mit neuen Menschen.
2. Besuch vorwarnen und den Hund kurz anleinen oder hinter ein Kindergitter, bis er ruhiger ist.
3. Schnüffeln an geeigneten Stellen (draußen, an Gegenständen) bewusst erlauben, damit sein natürliches Bedürfnis gedeckt ist.
4. Bei sehr aufdringlichem Verhalten mit positiver Verstärkung arbeiten oder eine/n Hundetrainer/in hinzuziehen.

Wichtig: Bestrafen solltest du dieses Verhalten nicht, weil es für Hunde ein normaler Teil ihres Sozialverhaltens ist und Strafe zu Verunsicherung oder Angst führen kann.

TL;DR: Hunde riechen im Schritt, weil dort besonders starke, informationsreiche Körpergerüche entstehen, über die sie in Sekundenbruchteilen Charakter, Stimmung, Hormone und Gesundheit einschätzen – es ist ihr natürlicher „Geruchs-Handshake“.

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