Ein Pianolist ist jemand, der auf einem selbstspielenden Klavier (Pianola) die Wiedergabe einer Notenrolle künstlerisch gestaltet und damit das Spiel eines echten Pianisten möglichst lebendig nachahmt.

Kurz erklärt

  • Ein Pianolist bedient ein Pianola , also ein mechanisches Klavier, das mit Lochstreifen bzw. Notenrollen arbeitet.
  • Die Notenrolle enthält nur das „nackte“ Notenmaterial, aber keine künstlerische Gestaltung wie Dynamik, Rubato oder Phrasierung.
  • Der Pianolist formt daraus eine lebendige Aufführung, indem er Tempo, Lautstärke und Akzente mit Hebeln, Pedalen und Reglern steuert.

Unterschied zum Pianisten

  • Ein Pianist spielt direkt auf der Klaviertastatur und erzeugt Ton und Gestaltung mit den eigenen Händen.
  • Ein Pianolist „spielt“ das Instrument, das wiederum die Klaviertasten bewegt; die künstlerische Arbeit liegt in der Steuerung der Rollenwiedergabe, nicht im direkten Anschlag der Tasten.

Historischer Kontext

  • Der Beruf des Pianolisten entstand mit der Verbreitung von Pianolas und anderen Kunstspielklavieren Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts.
  • Mit dem Aufkommen elektroakustischer Wiedergabesysteme (Schallplatte, Radio usw.) in den 1930er-Jahren verschwand die Tätigkeit des Pianolisten weitgehend.

Technische Details

  • Die Musik wurde zunächst von Editoren „gezeichnet“: Sie übertrugen die Partitur metrisch korrekt auf eine Mutterrolle, die dann gestanzt und vervielfältigt wurde.
  • Der Pianolist steuerte während der Aufführung unter anderem:
    • Tempo (schneller/langsamer)
    • Dynamik (lauter/leiser)
    • Akzente (z.B. mit Systemen wie „Themodist“ oder „Solodant“ bei bestimmten Herstellern).

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