Morbus Addison ist eine seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Erkrankung, bei der die Nebennierenrinde zu wenig lebenswichtige Hormone (vor allem Cortisol und meist auch Aldosteron) produziert.

Was ist Morbus Addison?

Morbus Addison wird auch Addison-Krankheit oder „Bronzekrankheit“ genannt und gehört zu den primĂ€ren Nebennierenrinden-Insuffizienzen.

Die Nebennieren sitzen wie kleine Kappen auf den Nieren und stellen Hormone her, die Blutdruck, Salz- und Wasserhaushalt, Stressreaktionen und Stoffwechsel steuern.

Typisch fĂŒr Morbus Addison ist ein langsamer, „schleichender“ Beginn mit unspezifischen Beschwerden, der ohne Behandlung in eine lebensbedrohliche Addison-Krise ĂŒbergehen kann.

Welche Hormone sind betroffen?

Bei Morbus Addison fallen vor allem drei Hormongruppen der Nebennierenrinde aus:

  • Glukokortikoide (v. a. Cortisol): wichtig fĂŒr Stressreaktion, Blutzucker, Blutdruck.
  • Mineralkortikoide (v. a. Aldosteron): regulieren Salz- und Wasserhaushalt, damit auch Blutdruck.
  • Androgene (z. B. DHEA, bei Frauen relevant): spielen eine Rolle fĂŒr Energie, Muskelkraft und Libido.

Der Hormonmangel fĂŒhrt u. a. zu niedrigem Blutdruck, Störungen des Elektrolythaushalts (v. a. Natrium/Kalium) und Unterzuckerungen.

Ursachen

Die hÀufigste Ursache in westlichen LÀndern ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Nebennierenrinde angreift und zerstört.

Weitere mögliche Ursachen sind:

  • Infektionen (z. B. Tuberkulose, Pilzinfektionen)
  • Genetische Erkrankungen wie Adrenoleukodystrophie (X-ALD/Addison-Schilder-Syndrom)
  • Blutungen oder Tumoren in den Nebennieren
  • Seltene Infiltrationskrankheiten (z. B. Amyloidose)

Die Erkrankung ist insgesamt selten, aber nicht „exotisch“ – sie kommt deutlich vor, bleibt nur oft lange unerkannt.

Typische Symptome

Die Beschwerden entwickeln sich meist ĂŒber Monate.

HĂ€ufige Symptome:

  • AusgeprĂ€gte MĂŒdigkeit, SchwĂ€che, Leistungsknick.
  • Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Übelkeit.
  • Niedriger Blutdruck, Kreislaufprobleme, Schwindel, v. a. beim Aufstehen.
  • Vermehrte HautbrĂ€unung/Hyperpigmentierung („Bronzekrankheit“): dunklere Haut, auch an Narben, Ellenbogen, Handlinien, SchleimhĂ€uten.
  • Verlangen nach Salz / Salzheißhunger.
  • Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung.
  • Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Depressionen.

Nicht jede Person hat alle Symptome – das macht die Diagnose oft schwierig.

Addison-Krise (Notfall!)

Eine Addison-Krise ist ein akuter, lebensbedrohlicher Zustand, der entsteht, wenn der Hormonmangel plötzlich sehr ausgeprĂ€gt wird – z. B. bei Infektionen, schweren Verletzungen, Operationen oder starken Belastungen.

Typische Zeichen einer Addison-Krise:

  • Sehr niedriger Blutdruck, Kreislaufkollaps, Schock
  • Starke SchwĂ€che, Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen
  • Starke Bauchschmerzen, Erbrechen, Durchfall
  • Fieber, schwere Dehydration

Die Addison-Krise ist ein medizinischer Notfall und muss sofort im Krankenhaus mit intravenösen KortisonprĂ€paraten und FlĂŒssigkeit behandelt werden.

Diagnose

Zur Diagnose werden mehrere Bausteine kombiniert:

  • Blutuntersuchungen: Cortisol, Natrium, Kalium, Glukose, ACTH.
  • ACTH-Stimulationstest (SynacthenÂź-Test): prĂŒft, ob die Nebennieren auf ACTH reagieren.
  • Antikörpertests (bei Verdacht auf Autoimmunursache).
  • Bildgebung (z. B. CT/MRT) der Nebennieren bei unklarer Ursache.

Typisch fĂŒr Morbus Addison ist ein niedriges Cortisol bei gleichzeitig hohem ACTH-Spiegel.

Behandlung und Alltag

Morbus Addison ist nicht heilbar, aber mit konsequenter Hormon-Ersatztherapie gut behandelbar.

Therapie-Bausteine:

  • Lebenslange Gabe von Glukokortikoiden (meist Hydrokortison) als Ersatz fĂŒr Cortisol.
  • Meist zusĂ€tzlich Mineralkortikoid (Fludrokortison) fĂŒr den Salz-/Wasserhaushalt.
  • Bei Bedarf Androgenersatz (DHEA), vor allem bei Frauen.
  • Schulung zur Dosisanpassung bei Stress, Fieber, OP etc. („Stressdosis“).
  • Notfallausweis, Notfallset (z. B. Spritze mit Hydrokortison) und geschulte Angehörige.

Wenn die Behandlung gut eingestellt ist und Betroffene in Stresssituationen richtig reagieren, ist die Lebenserwartung meist nahezu normal.

HĂ€ufige Mythen und heutige Sicht

Einige verbreitete MissverstÀndnisse:

  • „Extrem selten“: Die Krankheit ist selten, aber nicht so außergewöhnlich, wie viele denken; sie wird eher ĂŒbersehen.
  • „Man kann nichts dagegen tun“: Mit moderner Hormon-Ersatztherapie kann man in der Regel ein weitgehend normales Leben fĂŒhren.
  • „Nur Ă€ltere Menschen sind betroffen“: Morbus Addison kann in jedem Alter auftreten, auch im Kindes- und jungen Erwachsenenalter.

Medien und Foren diskutieren Morbus Addison heute oft im Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen im „Paket“ (z. B. SchilddrĂŒse, Typ-1-Diabetes), da solche Kombinationen bei Betroffenen gehĂ€uft auftreten.

Wichtig: Wenn du bei dir oder jemandem im Umfeld an Morbus Addison denkst (ungeklĂ€rte starke MĂŒdigkeit, Gewichtsverlust, niedriger Blutdruck, ungewöhnliche BrĂ€unung, Salzheißhunger), ist eine zeitnahe AbklĂ€rung bei Hausarzt oder Endokrinologe entscheidend.

Im Notfall (Kollaps, schwere SchwÀche, Erbrechen, Verwirrtheit) gilt: Notruf (in Europa 112) wÀhlen.

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