Polarlichter lassen sich mit dem iPhone erstaunlich gut fotografieren, wenn du Night Mode, ein stabiles Setup und die richtige Belichtung nutzt. Mit ein paar Tricks holst du aus dem kleinen Sensor deutlich mehr heraus, als viele erwarten.

Grundlagen: Was dein iPhone kann

  • Ab iPhone 11 gibt es einen automatischen Nachtmodus , ab 12 wird es deutlich besser, neuere Pro-Modelle (13–15 Pro) sind klar im Vorteil.
  • FĂŒr Polarlichter ist entscheidend: möglichst dunkel stehen, wenig Kunstlicht, klare Sicht, und geduldig testen.

Einstellungen in der Kamera-App

1. Night Mode aktivieren und anpassen

  • Öffne die Kamera-App, gehe auf „Foto“ und richte das iPhone auf den dunklen Himmel.
  • Erscheint oben links das gelbe Nachtmodus-Symbol, tippe darauf und ziehe den Regler auf die maximale Zeit (oft 10–30 Sekunden, je nach Modell und Helligkeit der Szene).
  • Je lĂ€nger die Belichtungszeit, desto mehr Licht und Farbe der Polarlichter fĂ€ngt dein iPhone ein – aber nur, wenn das GerĂ€t absolut ruhig bleibt.

2. Wichtige Basis-Settings

  • Blitz aus: Blitz vollstĂ€ndig deaktivieren (nicht „Auto“), sonst ruinierst du die Szene.
  • 1x‑Linse verwenden: Keine Ultraweitwinkel- oder Telelinse, die Hauptlinse hat die beste LichtstĂ€rke.
  • Fokus und Belichtung:
    • Auf den Himmel tippen und „AF/AE-Sperre“ halten, damit der Fokus auf unendlich sitzt.
    • Danach den Belichtungsregler (Sonne-Symbol) leicht nach unten ziehen, wenn das Bild zu hell wirkt oder der Himmel „ausbrennt“.

StabilitÀt: Ohne Verwackeln keine schönen Nordlichter

3. iPhone fixieren

  • Ideal: kleines Stativ + Smartphone-Halterung.
  • Alternativen: iPhone auf Mauer, Rucksack, Autodach legen, mit z. B. Handschuhen oder MĂŒtze „keilen“, damit es nicht wackelt.
  • Beim Auslösen:
    • 3‑Sekunden-Selbstauslöser nutzen oder
    • per Kabel-/Bluetooth-Button (Kopfhörer/Remote) auslösen, damit du das GerĂ€t nicht berĂŒhrst.

4. Mehrere Versuche einplanen

  • Mach Serien von 3–5 Bildern mit leicht unterschiedlichen Belichtungszeiten.
  • Wenn die Polarlichter sehr hell und schnell sind: lieber etwas kĂŒrzer (z. B. 5–10 Sek.), damit die Strukturen nicht zu „verwaschen“ wirken.
  • Wenn sie eher schwach leuchten: maximale Belichtungszeit nutzen.

Extra-Tipps: Apps, RAW & Bildlook

5. Pro-Apps fĂŒr mehr Kontrolle

Standardkamera reicht vielen, aber diese App-Typen helfen:

  • Langzeitbelichtungs-Apps : bieten manuelle Kontrolle ĂŒber Belichtungszeit und ISO.
  • Manuelle Kamera-Apps :
    • ISO moderat (z. B. 800–1600, je nach Helligkeit der Lichter),
    • Belichtungszeit 10–20 Sekunden,
    • Fokus auf unendlich setzen.

Ziel: möglichst helles Bild mit klaren Strukturen, ohne dass Sterne zu deutlichen Spuren werden (ab ca. 20 Sekunden sieht man erste Strichspuren im Sternbild).

6. RAW oder HEIF/JPEG?

  • Wenn dein iPhone „ProRAW“ oder RAW kann, lohnt sich das:
    • Mehr Spielraum beim Hochziehen von Schatten.
    • Besseres Rauschverhalten beim Nachbearbeiten.
  • Nachteil: Dateien grĂ¶ĂŸer, und du musst minimal nachbearbeiten (z. B. in Fotos-App, Lightroom Mobile, Snapseed).

Bildgestaltung: Damit es nicht nur „grĂŒn“ ist

7. Vordergrund und Komposition

  • Suche dir einen spannenden Vordergrund:
    • BĂ€ume, HĂŒtte, Bergsilhouette, Seeufer, Straße, Person im Schattenriss.
  • Achte auf:
    • ruhige Linien (z. B. Horizont gerade),
    • nicht zu viel helles Kunstlicht (Laternen, Autoscheinwerfer), das die Nordlichter ĂŒberstrahlt.
  • Ein einfaches Rezept:
    • Unteres Drittel: Landschaft / Silhouette
    • Oberes zwei Drittel: Himmel mit Polarlichtern.

8. Weißabgleich & Farbe

  • Wenn deine App manuelle Einstellungen bietet, wĂ€hle einen eher kĂŒhlen Weißabgleich (z. B. 3500–4500 K), damit der Himmel nicht orange oder gelb aussieht.
  • In der Nachbearbeitung:
    • etwas Klarheit/Struktur erhöhen,
    • leichte Kontraststeigerung,
    • nicht zu stark sĂ€ttigen, sonst wirkt es schnell unnatĂŒrlich.

Praktische Checkliste vor Ort

  1. Dunkler Standort, möglichst weit weg von StÀdten.
  2. iPhone auf Stativ oder stabile Unterlage.
  3. Kamera-App: 1x-Linse, Nachtmodus an, maximale Belichtungszeit wÀhlen.
  4. Fokus auf den Himmel setzen und sperren, Blitz aus.
  5. Selbstauslöser oder Remote-Auslösung aktivieren.
  6. Testbild machen, Helligkeit und SchĂ€rfe prĂŒfen.
  7. Kleine Anpassungen (Belichtungszeit, Belichtungskorrektur) und mehrere Serien schießen.

HĂ€ufige Fehler – und wie du sie vermeidest

  • Verwackelte Bilder :
    • Ursache: Handy in der Hand bei 10–20 Sekunden Belichtung.
    • Lösung: immer ablegen oder auf Stativ montieren.
  • Milchiger, heller Himmel ohne Struktur :
    • Ursache: zu lange Belichtung oder zu hohe Helligkeit.
    • Lösung: Belichtungszeit etwas reduzieren, Belichtungsregler minimal nach unten.
  • Zu dunkle Nordlichter, kaum sichtbar :
    • Ursache: zu kurze Belichtungszeit oder zu dunkler Bildlook.
    • Lösung: Nachtmodus auf Maximum stellen, ggf. ISO/Belichtung etwas erhöhen und spĂ€ter Rauschen in der Bearbeitung reduzieren.

Mini-Story zum Einordnen

Stell dir vor, du stehst in Nordnorwegen oder in einer klaren Nacht in Deutschland, der Himmel flimmert grĂŒn und violett. Du legst dein iPhone auf eine kalte Steinmauer, stellst den Nachtmodus auf 20 Sekunden, drĂŒckst auf den Selbstauslöser und wartest – das Display zeigt zunĂ€chst nur schwarz. Erst als das Foto erscheint, siehst du plötzlich deutlich krĂ€ftigere, definierte Nordlichtbögen, als dein Auge wahrgenommen hat. Genau hier spielt das iPhone seine StĂ€rke aus: Der Sensor sammelt lĂ€nger Licht, als dein Auge es kann. Mit jedem weiteren Versuch werden die Streifen schĂ€rfer, die Farben klarer, und am Ende hast du eine kleine Serie, die fast wie mit einer „echten“ Kamera aussieht.

TL;DR:
iPhone auf Stativ oder feste Unterlage, Nachtmodus an und auf maximale Belichtungszeit ziehen, 1x-Linse nutzen, Blitz aus, Selbstauslöser an, mehrere Testbilder machen und Belichtung/Fokus leicht anpassen. So gelingen dir mit dem iPhone beeindruckende Polarlicht-Fotos.

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