Die Luft in Deutschland wirkt aktuell vielerorts „schlecht“, weil sich mehrere Faktoren überlagern – vor allem Winterwetter, Heizen und Verkehrs‑ sowie Industrieemissionen.

Warum ist die Luft in Deutschland so schlecht?

1. Aktuelle Lage: Was gerade passiert

In vielen Regionen zeigen die Messnetze des Umweltbundesamts im Winter häufiger „schlecht“ bis „sehr schlecht“ an, vor allem bei Feinstaub (PM10/PM2,5).

Betroffen sind immer wieder große Teile Nord‑ und Ostdeutschlands, aber auch Ballungsräume im Süden, wenn sich bestimmte Wetterlagen halten.

Typische Folgen:

  • Trübe, diesige Sicht, „grauer“ Horizont
  • Kratziger Hals, Kopfschmerzen oder brennende Augen bei empfindlichen Menschen
  • Warnhinweise, sich bei Vorerkrankungen körperlich zu schonen und Sport im Freien zu meiden

2. Hauptgrund: Inversionswetterlage („Deckel über der Stadt“)

Ein zentraler Begriff der aktuellen Diskussion ist die Inversion bzw. Inversionswetterlage.

Normalerweise wird die Luft nach oben hin kälter, warme Luft steigt auf, die unteren Luftschichten werden ständig durchmischt – Schadstoffe können „wegdiffundieren“.
Bei einer Inversion ist es umgekehrt:

  • Unten: kalte, schwere Luft
  • Darüber: wärmere Luft wie ein Deckel
  • Kaum Wind, kaum Luftaustausch

Das führt dazu, dass:

  • Feinstaub, Stickoxide und andere Schadstoffe bodennah „gefangen“ bleiben
  • sich Emissionen aus Verkehr, Heizungen und Industrie wie unter einer Glocke sammeln
  • die Luft sich über Tage deutlich verschlechtert, obwohl die Emissionsquellen gar nicht unbedingt stärker werden

Ein Meteorologe beschreibt es so: In einer stabilen, fast windstillen Winterlage wird die Luft kaum ausgetauscht – die kalte Luft bleibt am Boden, Schadstoffe sammeln sich „wie unter einer Glocke“.

3. Woher kommen die Schadstoffe?

Mehrere Quellen tragen zur aktuellen schlechten Luft bei – einige hausgemacht, andere „importiert“.

3.1 Verkehr

  • Auto‑ und Lkw‑Verkehr stoßen Stickoxide und Feinstaub aus (Abgase, Reifen‑ und Bremsabrieb, Aufwirbeln von Staub).
  • In Städten ist der Straßenverkehr einer der dominierenden Faktoren für Stickstoffdioxid‑Belastung.

3.2 Heizungen – vor allem Holzöfen

  • Öfen und Heizungen, insbesondere veraltete oder unsaubere Holzöfen, produzieren viel Feinstaub.
  • Laut Analysen sind Holzfeuerungen inzwischen eine der wichtigsten Quellen für PM2,5, teils sogar stärker als der Straßenverkehr.
  • Im Winter, wenn viel geheizt wird, schießt dadurch die Feinstaubbelastung hoch.

3.3 Industrie und Kraftwerke

  • Industrieanlagen, Kraftwerke und andere stationäre Quellen stoßen weitere Schadstoffe aus (Feinstaub, Stickoxide, Schwefeloxide).
  • Bei hoher Grundbelastung und Inversion werden auch diese Emissionen kaum verdünnt.

3.4 Landwirtschaft und „importierter“ Smog

  • Landwirtschaft trägt z.B. über Ammoniakemissionen zur Bildung sekundären Feinstaubs bei.
  • Zudem kann belastete Luft aus Nachbarländern herüberziehen, etwa wenn in Regionen mit vielen veralteten Kohleöfen oder schlechtem Brennstoff besonders stark geheizt wird – das wurde z.B. für Teile Polens als Smog‑Hotspot beschrieben.

4. Ist die Luft generell „schlecht“ – oder nur gerade?

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen:

  • Langfristigem Trend
  • Kurzen Smog‑Episoden

Langfristig gilt:

  • Feinstaub‑ und Stickoxidwerte sind in Deutschland in den letzten Jahren im Mittel gesunken, u.a. durch strengere Abgasnormen und Filtertechnik.
  • Trotzdem sehen Fachleute weiterhin Gesundheitsrisiken und halten die Grenzwerte teils für zu wenig streng.

Kurzfristig, wie derzeit im Winter:

  • Mehrere Tage mit Inversion + starkes Heizen + Verkehr ⇒ deutlich erhöhte Werte (rote Anzeigen in Luftqualitäts‑Apps).
  • Nach einem Wetterwechsel (Regen, mehr Wind) können die Werte relativ schnell wieder sinken.

5. Gesundheit: Wie gefährlich ist das?

Feinstaub und Stickoxide sind problematisch, vor allem für empfindliche Gruppen.

Typische Risiken:

  • Reizung der Atemwege, Husten, Atemnot
  • Verschlechterung von Asthma und chronischen Lungenerkrankungen
  • Belastung von Herz‑Kreislauf‑System und erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall bei langfristiger Exposition

Behörden raten bei hoher Belastung:

  • Anstrengende Aktivitäten im Freien (Joggen, intensiver Sport) zu reduzieren, besonders für Menschen mit Herz‑ oder Lungenerkrankungen.
  • Luftqualitäts‑Apps oder die Karte des Umweltbundesamtes zu checken und sich an Tagen mit „rot“ etwas zu schonen.

6. Was wird dagegen getan – und was kannst du tun?

Politische und technische Maßnahmen

  • Strengere EU‑Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide, schrittweise Verschärfung.
  • Modernisierung von Heizungen, strengere Regeln für alte Holzöfen und bessere Filtertechnik.
  • Emissionsminderung im Verkehr: E‑Mobilität, Förderung von ÖPNV, Umweltzonen, Tempolimits in Städten.

Verhalten im Alltag

Auch als Einzelperson kannst du einiges tun, um die Luftqualität zu verbessern – vor allem in Spitzenzeiten:

  1. Verkehr vermeiden oder verlagern
    • Kurzstrecken zu Fuß oder mit dem Rad, ÖPNV statt Auto, Fahrgemeinschaften.
  2. Beim Heizen aufpassen
    • Moderne, saubere Heiztechnik bevorzugen.
    • Holz nur in zugelassenen Öfen und mit trockenem, geeignetem Brennholz verwenden, keine Abfälle oder feuchtes Holz verbrennen.
  1. Belastete Tage erkennen
    • Luftqualitäts‑Apps nutzen und an „roten“ Tagen körperliche Höchstleistungen im Freien reduzieren, wenn du empfindlich bist.
  1. Wohnungsluft verbessern
    • Stoßlüften zu Zeiten mit etwas besseren Werten (oft später Vormittag/Mittag) und auf stark befahrenen Straßen eher Fenster zum Hinterhof nutzen, falls möglich.

7. Kurz gesagt

Die Luft in Deutschland ist im langfristigen Trend sauberer geworden, aber im Winter kann sie sich durch eine Mischung aus Inversionswetterlage, starkem Heizen, Verkehr, Industrie und teilweise importiertem Smog zeitweise deutlich verschlechtern.

Diese Episoden sind spürbar, vor allem für empfindliche Menschen, aber sie hängen stark von der Wetterlage ab und lassen nach, sobald sich Wind und Regen wieder einstellen.

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