Frauen werden „beschnitten“ – korrekter: es handelt sich um weibliche Genitalverstümmelung (FGM) – vor allem aus sozialen und kulturellen Gründen, nicht aus medizinischen.

Kurzantwort

Die häufigsten Gründe sind: Tradition, sozialer Druck und die Kontrolle weiblicher Sexualität; dazu kommen Vorstellungen von Reinheit, Ehefähigkeit und angeblichen religiösen Pflichten – obwohl keine große Weltreligion FGM wirklich vorschreibt.

Was genau ist damit gemeint?

  • FGM bedeutet: Teile der äußeren weiblichen Genitalien werden geschnitten, entfernt oder sogar zugenäht.
  • Sie wird meist an Mädchen zwischen Kindheit und Pubertät durchgeführt, oft ohne Betäubung und unter unsicheren Bedingungen.
  • Es gibt verschiedene Schweregrade – von Teilentfernung der Klitoris bis zum fast kompletten Verschließen der Vaginalöffnung.

Medizinisch hat FGM keinen Nutzen und verursacht häufig starke Schmerzen, Infektionen, Probleme bei der Geburt und psychische Traumata.

Warum machen Gesellschaften das trotzdem?

In Regionen, in denen FGM verbreitet ist, ist sie oft ein fest verankerter sozialer Norm – wer sich nicht daran hält, riskiert Ausgrenzung.

Typische Gründe:

  1. Tradition und Identität
    • FGM gilt als „Ritus des Übergangs“ vom Mädchen zur Frau.
 * Familien sehen es als Teil ihrer kulturellen oder ethnischen Identität, die „schon immer so war“.
  1. Kontrolle von Sexualität
    • Es besteht die Vorstellung, dass beschnittene Frauen weniger Lust empfinden und dadurch „treuer“ bleiben.
 * FGM soll angeblich Jungfräulichkeit vor der Ehe und Treue nach der Ehe sichern.
  1. Ehefähigkeit und sozialer Druck
    • In vielen Gemeinschaften gilt: Nur ein beschnittenes Mädchen ist „heiratsfähig“.
 * Eltern haben Angst, dass ihre Töchter ohne Beschneidung keinen Partner finden und die Familie beschämt wird.
 * Unbeschnittene Mädchen werden oft ausgelacht, stigmatisiert oder als „unrein“ bezeichnet.
  1. Vorstellungen von Reinheit, Schönheit und Hygiene
    • Manche glauben, bestimmte Teile der Genitalien seien „schmutzig“, „männlich“ oder hässlich und müssten entfernt werden.
 * Es gibt Mythen, dass FGM Fruchtbarkeit verbessere oder Kinder vor Krankheit schütze – medizinisch ist das falsch.
  1. Religiöse Begründungen (Mythos vs. Realität)
    • Viele Menschen glauben, die Praxis sei religiöse Pflicht, auch wenn sich das in den heiligen Schriften nicht findet.
 * Große religiöse Autoritäten haben wiederholt betont, dass FGM keine religiische Pflicht ist und abgelehnt werden kann.

Warum machen das auch Frauen selbst weiter?

Das wirkt erstmal widersprüchlich, ist aber typisch für starke soziale Normen:

  • FGM wird sehr oft von älteren Frauen durchgeführt oder organisiert, die selbst davon betroffen sind.
  • Sie sehen darin Ehre, Normalität und die einzige Chance für ihre Töchter, gesellschaftlich „akzeptiert“ zu sein.
  • Viele Mütter handeln aus Angst: „Wenn ich meine Tochter nicht beschneiden lasse, wird sie ausgeschlossen oder nie heiraten.“

So hält eine ganze Gemeinschaft die Praxis aufrecht – auch dann, wenn viele im Innern Zweifel haben.

Wo ist das heute noch Thema und was passiert dagegen?

  • Schätzungen gehen davon aus, dass mehr als 200 Millionen Frauen und Mädchen weltweit betroffen sind, vor allem in Teilen Afrikas, des Nahen Ostens und Asiens.
  • Durch Migration ist FGM auch in Europa ein Thema; hier ist sie strafbar, und es gibt Schutzprogramme und Beratung.

International setzen sich u. a. UN, EU und viele NGOs dafür ein, FGM zu beenden – durch:

  • Aufklärung in Gemeinden und Schulen
  • Stärkung von Mädchen und Frauenrechten
  • Arbeit mit religiösen und traditionellen Autoritäten
  • Gesetzliche Verbote und Strafverfolgung in vielen Ländern

Ein kleines Gedankenbild

Stell dir ein Dorf vor, in dem seit Generationen alle glauben: „Nur wer dieses schmerzhafte Ritual durchläuft, ist ein richtiger Mensch.“
Wer es verweigert, verliert Freunde, Status, vielleicht seine Zukunftschancen.
In so einem Umfeld fühlt sich selbst ein grausamer Brauch „alternativlos“ an – genau so funktioniert FGM als soziale Norm.

Wichtiger Hinweis

Weibliche Genitalverstümmelung ist eine schwere Menschenrechtsverletzung und eine Form von Gewalt gegen Mädchen und Frauen.

Wenn du persönlich betroffen bist oder jemanden kennst, der gefährdet ist, ist es wichtig, dich an vertrauenswürdige Beratungsstellen, Ärztinnen/Ärzte oder spezialisierte Hilfsorganisationen zu wenden.

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