Der sogenannte Kaffeetassen‑Test ist ein inoffizieller Persönlichkeitstest, den manche Chefs in Bewerbungsgesprächen einsetzen, um Höflichkeit, Teamgeist und Haltung eines Bewerbers zu prüfen. Er ist in den letzten Jahren vor allem durch Medienberichte, Podcasts und Diskussionen in Foren und auf TikTok bekannt geworden.

Wie läuft der Kaffeetassen‑Test ab?

Typischer Ablauf:

  • Zu Beginn oder vor dem Gespräch führt der Arbeitgeber den Bewerber in die Küche und bietet Kaffee, Tee oder Wasser an.
  • Beide gehen mit der Tasse oder dem Glas zurück ins Büro und führen das Interview wie gewohnt.
  • Am Ende achtet der Chef darauf, was mit der Tasse passiert:
    • Wird sie einfach stehen gelassen?
    • Fragt der Bewerber, wohin er sie bringen soll?
    • Bringt er sie von sich aus zurück in die Küche oder spült sie sogar?

Die Aussage vieler Befürworter: Den Job bekommt nur, wer die Tasse zurück in die Küche bringt, statt sie kommentarlos stehen zu lassen.

Was soll der Test „messen“?

Befürworter des Kaffeetassen‑Tests behaupten, er zeige vor allem:

  • Teamfähigkeit und Bescheidenheit : Wer eine Tasse von selbst abräumt, signalisiert, dass ihm auch kleine Aufgaben im Büroalltag nicht „zu schade“ sind.
  • Aufmerksamkeit und Eigeninitiative : Der Bewerber erkennt, dass die Tasse nicht einfach beim Gesprächspartner stehen bleiben sollte, und handelt ohne Aufforderung.
  • Haltung statt reines Fachwissen : Der Test soll zeigen, ob jemand zur Kultur passt und ein „guter Kollege“ wäre – wichtiger als nur Lebenslauf und Skills.

In Artikeln wird die Tasse manchmal als kleiner „Mikrotest“ für Arbeitsmoral und soziale Intelligenz beschrieben.

Woher kommt der Kaffeetassen‑Test?

Bekannt geworden ist der Kaffeetassen‑Test vor allem durch:

  • Einen australischen Manager (u.a. beim Softwareunternehmen Xero), der in einem Podcast erklärte, er nutze diesen Test in jedem Interview und stelle niemanden ein, der die Tasse stehen lässt.
  • Seitdem greifen Medienportale, Karriere‑Blogs und LinkedIn‑Beiträge das Thema regelmäßig auf, oft mit sehr kontroversen Kommentaren.
  • Auf Social Media (TikTok, Reddit, Antiwork, Recruiting‑Subreddits) wird der Test als Beispiel für „Psychospielchen“ im Recruiting rauf und runter diskutiert.

Dadurch ist aus einer einzelnen Anekdote eine Art viraler „Trick“ geworden, der nun mit „was ist der sogenannte Kaffeetassen Test“ immer wieder gesucht und diskutiert wird.

Kritik und Kontroversen

Viele Bewerber und HR‑Profis sehen den Test kritisch:

  • Machtspiel und Intransparenz
    • Kritiker sprechen von einem „Psychospiel“ und Machtmissbrauch, weil der Bewerber nicht weiß, dass er getestet wird.
* Der Test kann als fallenartig und respektlos empfunden werden, da aus einer Nebensituation weitreichende Urteile abgeleitet werden.
  • Fragwürdige Aussagekraft
    • Eine einzelne Handlung (Tasse stehen lassen) sagt wenig über Arbeitsmoral oder Performance im Job aus.
* Kontext wird ignoriert: Manche lassen die Tasse stehen, weil sie die Gepflogenheiten im Unternehmen nicht kennen oder aus Höflichkeit nichts ohne Erlaubnis anfassen wollen.
  • Bias und Willkür
    • In Foren wird kritisiert, dass solche „geheimen Tests“ eher Vorurteile verstärken, als objektiv zu bewerten.
* Gut qualifizierte Kandidaten können dadurch ungerecht aussortiert werden, nur weil sie diese unausgesprochene Erwartung nicht erraten.

Wie sollte man als Bewerber reagieren?

Wenn man ahnt oder vermutet, dass so etwas eine Rolle spielen könnte, helfen ein paar pragmatische Schritte:

  1. Am Ende des Gesprächs aktiv anbieten:
    • „Was soll ich mit der Tasse machen? Bringe ich sie am besten zurück in die Küche?“ – das zeigt Höflichkeit und Respekt vor den Abläufen.
  1. Nicht übertreiben, aber aufmerksam sein:
    • Die Tasse einfach kommentarlos stehen zu lassen, wirkt in vielen Büros eher unaufmerksam, unabhängig vom Kaffeetassen‑Test.
  1. Eigene Bewertung des Arbeitgebers:
    • Wenn ein Unternehmen sich stark auf solche versteckten Tests verlässt, ist das auch ein Hinweis auf dessen Kultur – Bewerber dürfen sich fragen, ob sie dort arbeiten möchten.

Kurz gesagt: Der sogenannte Kaffeetassen‑Test ist ein heimlicher Mini‑Test im Bewerbungsgespräch, bei dem beobachtet wird, ob der Bewerber seine Kaffeetasse am Ende von sich aus in die Küche zurückbringt; daraus werden Rückschlüsse auf Charakter, Teamgeist und Haltung gezogen – doch Nutzen und Fairness dieses Tests sind stark umstritten.

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