Wir feiern Karneval, weil sich in diesem Fest mehrere Schichten Geschichte überlagern: alte Frühlings‑ und Fruchtbarkeitsriten, christliche Vorbereitung auf die Fastenzeit und ein soziales Ventil, in dem Rollen, Macht und Alltag für kurze Zeit auf den Kopf gestellt werden.

Kurz erklärt

  • Ursprünglich markieren ähnliche Feste den Übergang vom dunklen Winter zum helleren Frühjahr, mit viel Essen, Lärm und Verkleidung, um „böse Geister“ und den Winter zu vertreiben.
  • Im Christentum wurde daraus die letzte große Zeit des Schlemmens und Feierns vor der Fastenzeit (Lent), also eine Art „Alles noch mal genießen, bevor 40 Tage Verzicht beginnen“.
  • Heute ist Karneval auch ein kulturelles und politisches Ventil: Man darf Autoritäten verspotten, sich verkleiden, Grenzen testen und gemeinsam auf der Straße feiern.

1. Alte Wurzeln: Winter vertreiben, Frühling begrüßen

Schon in vorchristlicher Zeit gab es Feste, die den Wechsel der Jahreszeit markierten – vom kargen Winter zur fruchtbaren Zeit des Jahres.

Typisch waren:

  • üppige Gelage mit allem, was sich nicht länger lagern ließ
  • Lärm, Masken, Verkleidungen, Umzüge
  • symbolische „Vertreibung“ dunkler Mächte oder des Winters

Anthropologisch sieht man Karneval als „Umkehr-Ritual“ : Die normalen Regeln werden kurz aufgehoben, Rollen vertauscht, aus Ordnung wird kontrolliertes Chaos – als Übergangsritus „von Dunkelheit zu Licht“.

2. Christliche Bedeutung: Letzte Party vor dem Fasten

Mit der Ausbreitung des Christentums wurden viele dieser Bräuche in den Kirchenkalender integriert.

  • Karneval liegt direkt vor der Fastenzeit, die am Aschermittwoch beginnt.
  • Früher war Fasten strenger: weniger oder kein Fleisch, einfacheres Essen, mehr Besinnung.
  • Daher wurde die Zeit davor zum großen Schlemmen: Fleisch, Süßes, Alkohol – alles, was man danach meiden wollte.

Der Name „Karneval“ wird oft von „carne vale“ („Fleisch, lebe wohl“) abgeleitet – also Abschied vom Fleisch vor der Fastenzeit.

Auch Begriffe wie „Fastnacht“ oder „Fasching“ hängen mit „Fasten“ zusammen: die Nacht bzw. Zeit vor dem Beginn des Fastens.

3. Verkleiden, Narrenfreiheit und Macht auf den Kopf stellen

Ein wichtiger Grund, warum wir Karneval bis heute feiern: die Narrenfreiheit.

  • Man darf sich verkleiden, in andere Rollen schlüpfen, gesellschaftliche Normen spielerisch übertreten.
  • Herrschende, Reiche oder Autoritäten werden in Büttenreden, Umzügen und Satire verspottet.
  • Masken und Kostüme schaffen Anonymität – man kann sagen, was man sonst nicht sagen würde.

In vielen Regionen war es sogar Tradition, die Obrigkeit während des Karnevals symbolisch zu entmachten – etwa durch einen „Prinzen“, „Narrenrat“ oder eine symbolische „Regierung der Narren“.

So wird Karneval auch als soziales Sicherheitsventil verstanden: Man lässt Dampf ab, ohne das System grundsätzlich zu sprengen.

4. Warum feiern wir Karneval heute noch?

Heute ist Karneval zwar nicht mehr für alle religiös wichtig, aber aus mehreren Gründen weiterhin präsent:

  • Gemeinschaftsgefühl: Straßenumzüge, Sitzungen, Vereine – man erlebt seine Stadt oder Region als große Gemeinschaft.
  • Regionale Identität: Köln, Mainz, Düsseldorf, Basel, Rio, Trinidad – alle haben ihren eigenen Stil und sind stolz darauf.
  • Kulturelle Tradition: Lieder, Tänze, Kostüme, typische Sprüche – das wird von Generation zu Generation weitergegeben.
  • Wirtschaft: Tourismus, Kostüm‑ und Eventbranche, Gastronomie profitieren stark von der „fünften Jahreszeit“.

In vielen Regionen (z.B. Karibik, Lateinamerika) ist Karneval zudem ein Symbol für Freiheit und Widerstand – entstanden aus den Festen versklavter Menschen, die die Rollen der Herren parodierten und so ein Stück Selbstbehauptung schufen.

5. Mehrere Blickwinkel auf die Frage „warum?“

Man kann also auf verschiedene Arten antworten:

  1. Historisch: Weil alte heidnische Frühlings‑ und Fruchtbarkeitsriten mit christlicher Fastenvorbereitung verschmolzen sind.
  1. Religiös: Weil Karneval die letzte Zeit des Feierns vor der Fastenzeit ist und symbolisch den Abschied von Fleisch, Überfluss und Ausschweifung markiert.
  1. Sozial: Weil die Gesellschaft ein Ventil braucht, in dem man Rollen, Normen und Macht kurzzeitig auf den Kopf stellen darf.
  1. Kulturell und heute: Weil es eine gewachsene Tradition, ein großes Gemeinschaftsfest und ein wichtiger Teil regionaler und nationaler Identität ist – unabhängig davon, ob man selbst religiös ist.

Kurze Antwort zum Mitnehmen (TL;DR)

Wir feiern Karneval, weil sich ein altes Frühlings‑ und Abschiedsritual vom Winter mit der christlichen Idee „noch einmal feiern, bevor die Fastenzeit beginnt“ verbunden hat – und daraus ein buntes Fest entstanden ist, in dem wir Rollen tauschen, Normen lockern, gemeinsam feiern und regionale Identität leben.

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