„Remigration“ hat eine Doppelbedeutung , und welche gemeint ist, hängt stark vom Kontext ab – wissenschaftlich ist der Begriff neutral, in der aktuellen Politik oft extrem aufgeladen.

1. Neutrale / fachliche Bedeutung

In der Migrationsforschung bedeutet „Remigration“ ganz allgemein:
Menschen kehren nach einer Zeit im Ausland in ihr Herkunftsland oder ihre Herkunftsregion zurück.

Typische Punkte dabei:

  • Gemeint ist Rückkehrmigration oder Rückwanderung.
  • Es kann um freiwillige Rückkehr gehen, z.B. jemand arbeitet 15 Jahre im Ausland und zieht wieder in sein Herkunftsland.
  • Statistik‑ und Behördenkontexte nutzen das Wort teils immer noch in dieser neutralen Weise (z.B. Bevölkerungsstatistik, Sozialforschung).

Ein einfaches Beispiel:
Jemand zieht von der Türkei nach Deutschland, lebt dort lange und entscheidet sich später, dauerhaft in die Türkei zurückzugehen – das wäre im fachlichen Sinn Remigration.

2. Politische / rechtsextreme Bedeutung heute

In den letzten Jahren hat sich der Begriff in Europa – besonders im rechtsextremen Spektrum – stark gewandelt und wird dort völlig anders benutzt.

In diesem Kontext bedeutet „Remigration“ meist:

  • Konzept der Massendeportation bzw. erzwungenen „Rückführung“ von Migrant:innen und oft auch deren Nachkommen.
  • Häufig zielt es explizit auf nicht‑weiße bzw. als „nicht-europäisch“ definierte Bevölkerungsgruppen, auch wenn diese Staatsbürger sind oder hier geboren wurden.
  • Es fungiert als Euphemismus : Ein harmlos klingendes Wort („zurückwandern“) soll Forderungen nach ethnischer Säuberung, Segregation oder einem „ethnisch homogenen Volk“ sprachlich kaschieren.

Forschende und Journalist:innen weisen darauf hin:

  • Der Begriff ist eng mit völkisch‑rassistischen Vorstellungen und der Idee einer nach „Rassen“ oder „Kulturen“ getrennten Welt verbunden.
  • Er knüpft an alte koloniale und rassistische Praktiken und Denkmuster an, wird aber in einer modernen, verharmlosenden Sprache verpackt.
  • In Deutschland ist „Remigration“ explizit in Programmen und Debatten rechtspopulistischer und rechtsextremer Akteure aufgetaucht und hat 2024/2025 starke gesellschaftliche Proteste ausgelöst.

Kurz gesagt:
Wenn der Begriff heute in politischen Debatten auftaucht, ist fast immer diese zweite, extrem problematische Bedeutung gemeint – also nicht neutrale Rückkehrmigration, sondern ein Codewort für Ausgrenzung, Abschiebung und teils ethnische Säuberung.

3. Warum das so heikel ist

Der Streit um „Remigration“ dreht sich nicht nur um ein Wort, sondern um Grundfragen von Demokratie und Menschenrechten.

Wichtige Konfliktlinien:

  • Befürworter im rechten Spektrum stellen es gerne als „ordnungspolitische“ oder „kulturelle“ Maßnahme dar, oft mit Bezug auf eine vermeintliche „Überfremdung“.
  • Kritiker:innen sehen darin eine gefährliche Radikalisierung :
    • Entmenschlichung bestimmter Gruppen,
    • Normalisierung von Deportationsfantasien,
    • Anschluss an Verschwörungserzählungen wie die „Great Replacement“-Idee.

Dadurch ist „Remigration“ in aktuellen Debatten zu einem Warnsignal‑Begriff geworden: Wer ihn politisch fordert, bewegt sich in der Regel in einem rechtsextremen, nativistischen Weltbild.

4. Wie du den Begriff einordnen kannst

Wenn du „Remigration“ irgendwo liest oder hörst, frag dich:

  1. Wird über Migration wissenschaftlich / statistisch gesprochen?
    • Dann ist meist die neutrale „Rückkehrmigration“ gemeint.
  1. Wird über „Überfremdung“, „Volk“, „kulturelle Identität“ oder ähnliche Themen gesprochen, oft im Zusammenhang mit bestimmten Ethnien oder Religionen?
    • Dann geht es sehr wahrscheinlich um das rechtsextreme Konzept von Massendeportation und ethnischer Neusortierung.

Wenn du magst, kann ich dir im nächsten Schritt Formulierungen vorschlagen, wie du dich in einer Diskussion klar von der extremen Bedeutung des Begriffs distanzieren kannst, ohne den fachlich neutralen Sinn komplett zu verwerfen.