Eine Lotusgeburt (englisch: lotus birth) ist eine besondere Form der Geburt, bei der die Nabelschnur nach der Entbindung nicht durchtrennt wird, sondern so lange mit der Plazenta am Baby bleibt, bis sie von selbst abfĂ€llt – meist nach etwa 3 bis 10 Tagen.

Kurz erklÀrt

  • Bei der Lotusgeburt wird das Baby nicht direkt nach der Geburt „abgenabelt“. Statt Schere oder Klemme bleibt die Nabelschnur unverĂ€ndert.
  • Die Plazenta (Mutterkuchen) wird nach der Geburt gereinigt, in ein GefĂ€ĂŸ, Tuch oder eine spezielle Tasche gelegt und bleibt mit dem Baby verbunden, bis Nabelschnur und Plazenta von alleine austrocknen und abfallen.
  • Das Ganze wird vor allem aus spirituellen oder rituellen GrĂŒnden praktiziert, zum Beispiel weil man der Plazenta eine besondere Bedeutung oder Verbindung zur Seele des Kindes zuschreibt.

Wie lÀuft eine Lotusgeburt ab?

Typischer Ablauf (vereinfachte Darstellung):

  1. Geburt des Babys ganz normal – vaginal oder per Kaiserschnitt ist grundsĂ€tzlich beides möglich.
  1. Die Plazenta wird ebenfalls geboren bzw. nach einem Kaiserschnitt entnommen.
  1. Nabelschnur wird nicht abgeklemmt und nicht durchschnitten.
  2. Die Plazenta wird gereinigt, hÀufig gesalzen und mit KrÀutern bestreut, damit sie besser trocknet und weniger stark riecht.
  1. Plazenta wird in eine Schale, ein SÀckchen oder ein Körbchen gelegt und immer in der NÀhe des Babys getragen.
  1. Nach einigen Tagen trocknet die Nabelschnur vollstÀndig und fÀllt samt Plazenta von selbst ab (meist zwischen Tag 3 und 10).

Ein Beispiel: Eltern wickeln ihr Neugeborenes ein, legen die Plazenta in eine kleine Stofftasche daneben und tragen beides zusammen, bis die Nabelschnur von allein abfÀllt.

GrĂŒnde, warum Eltern sich dafĂŒr entscheiden

HĂ€ufig genannte Motive sind:

  • Spirituelle/rituellen GrĂŒnde (besondere WertschĂ€tzung der Plazenta, sanfter Übergang von Schwangerschaft zu Außenwelt).
  • Wunsch nach einem „besonders sanften“ Start ins Leben, ohne Eingriff direkt nach der Geburt.
  • Manche Eltern empfinden es als Symbol fĂŒr eine ununterbrochene Verbindung zwischen Kind und Schwangerschaft.

Wichtig: Medizinische Fachgesellschaften sehen in der Lotusgeburt meist keinen klar belegten gesundheitlichen Vorteil fĂŒr das Baby.

Medizinische EinschÀtzung und Risiken

Medizinische Einrichtungen und KinderĂ€rzt:innen sind gegenĂŒber der Lotusgeburt oft eher zurĂŒckhaltend oder kritisch.

Mögliche Risiken, die in der Fachliteratur genannt werden:

  • Erhöhtes Risiko fĂŒr Infektionen, weil die abgestorbene Plazenta kein lebendes Gewebe mehr ist, aber immer noch am Kind hĂ€ngt.
  • Schwierigkeiten im Alltag: Anziehen, Tragen und Stillen können komplizierter sein, da immer auf die Plazenta geachtet werden muss.
  • Mögliche Geruchsbildung und hygienische Probleme, wenn die Plazenta nicht sorgfĂ€ltig gepflegt wird.

Viele Kliniken bieten Lotusgeburten daher nicht routinemĂ€ĂŸig an; wer das möchte, muss es frĂŒh mit Hebamme und Ärzt:innen besprechen.

Unterschied zur „spĂ€ten Abnabelung“

Wichtig zu unterscheiden:

  • SpĂ€tes Abnabeln : Nabelschnur wird erst nach 1–3 Minuten oder etwas lĂ€nger durchtrennt, damit mehr Blut vom Mutterkuchen ins Baby fließen kann. Das wird inzwischen in vielen Kliniken empfohlen und ist medizinisch gut erforscht.
  • Lotusgeburt : Nabelschnur wird ĂŒberhaupt nicht aktiv durchtrennt, sondern bleibt Tage lang am Kind, bis sie von allein abfĂ€llt.

Beides sind völlig verschiedene Konzepte – die Lotusgeburt geht deutlich weiter und ist deutlich weniger wissenschaftlich untersucht.

Mini-FAQ

Ist eine Lotusgeburt in KrankenhĂ€usern ĂŒblich?
Nein, sie ist eher selten und wird hÀufiger in alternativen, esoterisch orientierten oder hausgeburt-nahen Kreisen praktiziert.

Wie lange dauert es, bis die Nabelschnur abfÀllt?
Meist 3 bis 10 Tage, je nach Pflege und Trocknung der Plazenta.

Ist sie gesetzlich verboten?
In vielen LĂ€ndern nicht ausdrĂŒcklich verboten, aber die Bereitschaft von Kliniken und FachkrĂ€ften, sie zu begleiten, ist unterschiedlich und hĂ€ngt von internen Standards und der RisikoeinschĂ€tzung ab.

TL;DR:
Eine Lotusgeburt ist eine Geburt ohne aktives Durchtrennen der Nabelschnur; Baby und Plazenta bleiben mehrere Tage verbunden, bis die Nabelschnur von allein abfĂ€llt. Das Ritual ist vor allem spirituell begrĂŒndet, medizinische Vorteile sind nicht eindeutig belegt und Fachleute weisen auf mögliche Infektionsrisiken hin.

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